Vom Leichten
Wenn es richtig ist
Unlängst hat mich ein Satz wie ein Blitz getroffen. Er stammt von #Zhuangzi, einem chinesischen #taoisten. Der Satz lautet:
Das Richtige ist leicht.
Wenn es richtig ist, ist es leicht.
Als ich das las, hat mein ganzer Körper darauf reagiert. Der Satz ist die Gegenthese zu meinem ganzen bisherigen Leben. Vielleicht sogar zu dem Leben, wie wir es gelernt haben.
Anstrengung ist der Schlüssel.
Übung macht den Meister.
Ohne Fleiß kein Preis.
Schweiß ist der Preis des Erfolgs.
Und so weiter.
Der ganze deutsche Katechismus der Anstrengung lässt sich vielleicht in einem Satz zusammenfassen: Was leicht geht, kann nichts wert sein. Und dann kommt dieser seit zweitausend Jahren tote Taoist daher — und behauptet das Gegenteil. Und obwohl mein trainierter Geist noch dagegen rebellieren wollte, hatte mein Körper die Richtigkeit des Satzes schon erkannt.
Das Richtige ist leicht.
Nein, ich glaube nicht, dass man mit diesem Satz anfangen kann. Und ich glaube auch nicht, dass man ihn sofort richtig versteht. Das Richtige ist leicht ist keine Aufforderung zur Faulheit.
Der deutsche Katechismus der Anstrengung hat seine Wahrheit. Es braucht Anstrengung und Willen, um irgendwann im Leben einen Satz wie den von Zhuangzi überhaupt verstehen zu können.
Du musst wissen, was Anstrengung ist, um sie loslassen zu können.
Du musst den Kopf erst durch die Wolken stoßen, um zu merken, dass der Himmel schon immer für dich offen war.
Aber wenn das einmal passiert ist, weißt du:
Der leuchtende Himmel braucht deine Anstrengung nicht.
Keinen Kampf.
Keinen Beweis.
Kein weiteres Müssen.
Alle Konzepte, alle Ideen, mit denen wir den ganzen Tag beschäftigt sind — machen sie uns leicht?
Sind sie richtig, weil sie leicht sind?
Oder sind wir noch immer stolz auf unsere geschwollenen Halsschlagadern? Auf unsere Mühe? Auf unsere Anstrengung? Auf das schwere Gesicht, mit dem wir beweisen wollen, dass wir es ernst meinen?
Vielleicht beginnt Weisheit nicht dort, wo wir uns noch mehr anstrengen.
Vielleicht beginnt sie dort, wo die Anstrengung aufhört, sich selbst zu bewundern.
Die Anstrengung loslassen. Die Übung loslassen. Sogar den Stolz auf die Übung loslassen.
Das ist der Moment im Leben wie im Zen, in dem etwas anderes beginnt.
Kein äußeres Drängen.
Kein innerer Zwang.
Dann ist man in den Dingen am rechten Platz.
Man beginnt mit dem, was leicht ist. Und plötzlich ist das kein Ausweichen mehr. Sondern Genauigkeit.
Das Richtige ist leicht.
Wenn es richtig ist, ist es leicht.



Ich danke Dir für Deine Worte. Sie kommen gerade zur rechten Zeit. Und treffen auf ein Erahnen, dass es genau so ist…🙏🏼